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Geschichte der Stadt Zwittau und ihrer Umgebung

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Vor der Vertreibung
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Gerhard

Foren-Neuling

Beiträge: 6
Anmeldedatum: 21.09.2007
Wohnort: Bad Schönborn Mingolsheim
Beitrag Vor der Vertreibung. Verfasst am: 05.10.2020, 08:57    
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Hallo Forenteilnehmer
Durch meine Großmutter weis ich dass sie und ihre drei Kinder (mein Großvater war schon gestorben) vor der Vertreibung in tschechische Gebiete mussten und dort bei tschechischen Bauern arbeiten. Sie waren ungefähr ein Jahr dort. Aus der Erzählung weis ich dass es vielen dort schlecht ergangen ist. Meine Großmutter und ihre Kinder hatten dabei Glück. Sie wurden gut behandelt.

Um Einzelheiten bei meiner Großmutter zu erfragen hatte ich in jungen Jahren wenig Interesse. Erst mit den Jahren als meine Oma schon tot war kam das Bedürfnis mehr über das Schicksal meiner Vorfahren zu erfahren.

Wer hat Informationen oder kann mehr über diese Zeit berichten? Gibt es Listen wer, wann und wohin er kam. Wie erging es den Menschen dort?

Über Näheres wäre ich sehr dankbar.
Gerhard
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Werner

Foren-Profi

Beiträge: 158
Anmeldedatum: 13.08.2008
Wohnort: Wien
Beitrag Aw.: Vor der Vertreibung. Verfasst am: 07.10.2020, 10:56    
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Hallo Gerhard,

Meine Tante und ihre Töchter waren auch bei tschechischen Bauern und wurden ebenfalls gut behandelt. Später wurden sie nach Bayern ausgesiedelt. Wie kam es dazu?

Mit „Vor der Vertreibung“ kann wahrscheinlich nur die Zeit der wilden Vertreibung gemeint sein. Sie begann kurz nach Kriegsende und endete als um 1946 in CS die geordnete Aussiedlung begann. Charakterisiert war sie von unverzeihbaren Aktionen seitens Tschechen, die sich auf die Reparationsansprüche der Besatzungsmächte bezogen. Für den ehemaligen, zu über 90% deutschsprachigen Heimatort meiner Verwandten bedeute dies:

• Es gab fast keine Männer mehr im Ort, da diese gefallen, vermisst oder in Gefangenschaft waren. Mütter mit Jugendlichen und Kindern blieben in ihren Heimatorten und wollten auf ihren fehlenden Familienangehörigen warten.

• Ehemalige Partisan bzw. solche, die sich so nannten, kamen mit Unterstützung von Sowjet Soldaten, um komplette Familien zu vertreiben (Brünner Todesmarsch) oder um sie in ein Lager in ihren Heimatkreis mitzunehmen, wo sie an Bauern, Gewerbetreibende, bürgerliche Haushalte zur Arbeit weitergegeben wurden.

• Tschechische Bauern von außerhalb des Schönhengstgaus kamen mit Lkws und holten sich Arbeitskräfte für ihre Landwirtschaften direkt im Ort ab. Sie bevorzugten Mütter mit männlichen Jugendlichen für die schweren Arbeiten.

• Volksgericht und Blutgerichte wurden von tschechischen Fabriksarbeitern abgehalten und die Verurteilten zu Zwangsarbeit verdonnert oder gleich hingerichtet (Landskroner Blutgericht).


Erst das Potsdamer Abkommen von Ende Juli 1945 legte fest, dass die Ausweisung der Deutschen in humaner Weise zu erfolgen habe. Die organisierte Aussiedlung wurde geplant.

• Ab etwa Beginn 1946 wurden in den Städten und Dörfern Ausweisungsbefehle angeschlagen und die Deutschen mussten sich in jeweils kürzester Zeit in genau festgelegten Aussiedlungslagern einfinden. Die Mitnahme von wertvollen Besitztümern oder die Zerstörung des eigenen Besitzes wurde mit dem Tode bestraft.

• Aus den Lagern wurden stets 1.200 Personen ausgesondert und in 40 (offene) Viehwaggons eines Zuges getrieben. Dort ging die Fahrt dann teilweise schnell, teilweise auch mit Fahrt- und Stehzeiten von mehr als 2 Tagen in Richtung der westlichen oder sowjetischen Besatzungszone. Damit bestimmte der Zeitpunkt der Verladung und damit der Zufall, ob die Fahrt in die amerikanische oder die sowjetische Zone ging.



Die Vertreibung meiner Tante, könnte aber auch jene deiner Großmutter gewesen sein.

Am 15.08.1945 wurde Minna Häusler mit ihren beiden Töchtern und eine weiter Familie aus Rudelsdorf bei Landskron mit einem Lkw von tschechischen Partisanen abgeholt und zu einem Großbauer in Vysoká u Holic (Wisoka/Holitz) gebracht. Hier mussten sie auf dem Bauernhof arbeiten, hatten aber das große Glück bei einer sehr gerechten Familie zu sein, die es organisierte, dass sie mit einem Aussiedlertransport im Sommer 1946 von Pardubice nach München-Allach gebracht wurden.

Viel Glück bei Deinen Recherchen
Werner
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