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Geschichte der Stadt Zwittau und ihrer Umgebung

Mährisch Trübau

Kreis Landskron

Schönhengster Heimatbund e.V.




Neue Antwort erstellen  Neues Thema eröffnen SCHÖNHENGST Foren-Übersicht » Mährisch-Trübau und Umgebung
Informationen über Langenlutsch
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Martin

Foren-Profi

Beiträge: 204
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Wohnort: D-76669 Mingolsheim
Beitrag Informationen über Langenlutsch. Verfasst am: 04.11.2007, 22:07    
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Hallo Thomas!
Thomas hat Folgendes geschrieben:
Martin hat Folgendes geschrieben:
... PS: „Lutsch“ ist die im alltäglichen Gebrauch benutzte liebevolle Abkürzung für Langenlutsch
Langenlutsch ist sowieso ein eigener toller Name! Was bedeutet eigentlich Lutsch? Wie lässt sich die Herkunft des Ortsnamens erklären?
Gruß
Thomas

Dem will ich gerne nachkommen.
Das sehr schöne und gelungene „Gedenkbuch der Gemeinde Langenlutsch“ (288 Seiten), das 1971 federführend von Franz Etzler herausgegeben wurde, gibt dazu im ersten Kapitel „Siedlungsgeschichtliches“ auf Seite 9 die folgende Auskunft: „...Weit verlockender für eine Siedlung waren die Grasflächen auf der Ebenseite von Lutsch. Existierte die Siedlung „Louczka“ im 13. Jahrhundert noch nicht, hätten die deutsch stämmigen Urwaldroder ihrer Neusiedlung kaum einen slawischen Namen gegeben. Wenn bei der Namensgebung von Kaltenlausch (cz: Studena Louka) auch die Wiese Pate gestanden hat, so trifft dies nicht zu, da der Ort auf einer Wasserscheide liegt und auch keine Wiesen hat. Eher wäre der wendische Wortstamm „ljud“ richtiger, von dem sich auch Lutsch ableiten ließe, und der zu deutsch Wildnis heißt.“
So, nun mag sich jeder raussuchen, aus welchem Wortstamm Langenlutsch, oder „Lutsch“, wie die Einheimischen sagen, stammt.

Auf Seite 10 wird weiter aufgeführt:
„Die Zeit zwischen 1254 und 1273, genannt die „kaiserlose, die schreckliche Zeit“, war ausgefüllt mit Kriegsnot und verheerenden Seuchen, die ganze Landstriche in Mähren entvölkerten. Zu dieser Zeit setzte das große Kolonistationswerk des des Olmützer Bischofs Bruno (1245 - 1285) ein, das durch den böhmischen König Premysl Ottokar II. (1230 - 1278) und den damaligen Trübauer Grundherren Boresch von Riesenburg († 1278) gefördert wurde. Wenn Langenlutsch schon zu dieser Zeit gewesen sein mag, so nur an den waldfeien Stellen und dort, wo Wiese und Weideland vorhanden war; denn erst durch die planmäßige Zuweisung von Waldflächen - unter der Leitung eines vom Grundherrn eingesetzten Lokators - und der anschließenden Rodung mit Rodehacke und Brnad, ist unser Langenlutsch, das langestreckte Waldhufendorf, entstanden und erscheint urkundlich erstmalig im Jahre 1365 als „luczka“ . Das Rodland war aufgeteilt in 41 Hufen, die ein Ausmaß von 25 - 28 ha. hatten. Im Urbar von Jahr 1535 werden 41 Lahn (cz.: Lano = Seil, das Maßseil zu 32 m) mit 1759 ha ausgewiesen. Dadurch zählte Langenlutsch zu einer der größten Ortsgemeinden auf der Trübauer Herrschaft. Merkwürdig für diese Gemeindegröße ist, daß bei der Verteilung von Hufen keine für einen Seelsorger, wie in Kunzendorf, Krönau usw. bestimmt wurde. Hieraus ist zu schließen, daß in Krönau bereits ein Seelsorger gewesen sein muß und Langenlutsch schon damals von dort betreut wurde. Dieses Prinzip der Betreuung hat sich in den folgenden Jahren durchgesetzt und es ist bis zur Vertreibung (1946) auch dabei geblieben. Nur eine kleine Glocke im Glockenturm, auf dem höchsten Punkt im Mittelort, rief zu den Betzeiten und erinnerte mit ihrem Läuten freitags um 15 Uhr an das Sterben Christi. Sie läutete auch Sturm bei Feuer- und Wassergefahr und begleitet den dahingeschiedenen Dorfbewohner auf dem letzten Weg bis zur Ortsgrenze, wo er nach altem Brauch verabschiedet und auf dem Krönauer Friedhof zur letzten Ruhe gebettet wurde. Und so wickelte sich das kirchliche Leben für die Langenlutscher in Krönau ab, das schon im Jahre 1487 als Marktflecken beurkundet und seit alter her von einem Vogt bis zum Jahr 1848 geleitet worden ist.
Bischof Bruno von Schaumburg, ein Niedersachse, aus seiner Heimat erfahren in der Kolonisation, Ratgeber des deutschfreundlichen Premysl Ottokar II., später Statthalter von Nordmähren, hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das fast menschenleere Waldgebiet im nunmehr zur Besiedlung freigegebenen „Grenzwald“ aufzuvolken oder durch Neurodung dem Urwald Lebensraum für Deutsch abzuringen. Der Aufruf der Landesherren und sonstiger Würdenträger fand in den Provinzen des deutschen Mutterlandes Gehör und so kamen Siedlungswillige aus den Gebieten mit Bevölkerungsüberschuß, wie Thüringen, dem Franken- und dem Bayernlande, später auch aus Schlesien, mit ihrem schwerfälligen Fuhrwerk, durch Brief und Siegel berechtigt, in unser Gebiet. Sie kamen mit heimischem Saatgut, mit Vieh, ihrer Fracht und mit einem gefestigten Christentum nach langer Fahrt „über Stock und Stein“ in das Herschaftgebiet des Riesenburger Boresch, eines Günstlings des Königs. Zu beiden Seiten der Talmulde lag der Siedlungsraum von 41 Hufen, für die erst 20 Jahre nach der Rodung und Nutzung der vereinbarte Erbzins entrichtet werden mußte...“

Soweit der Auszug aus dem Gedenkbuch.

Wer wissen will, wo Langenlutsch liegt, der findet es am schnellsten hier:
http://gov.genealogy.net/ShowObject.do?id=LANSCHJN89HQ

Zuletzt bearbeitet von Martin am 29.11.2007, 14:45, insgesamt einmal bearbeitet
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Thomas

Moderator

Beiträge: 985
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Wohnort: Eßlingen am Neckar
Beitrag Aw.: Informtion über Langenlutsch. Verfasst am: 05.11.2007, 11:16    
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Hallo Martin,

da hast Du Dir ja ganz schön viel Arbeit gemacht. Danke!. Solche Informationen wären auch auf den Seiten der Ortschaften bei Stadt u. Kreis Mährisch-Trübau gut aufgehoben. Burkhard hat dort manchmal nur abgescannte Seiten aus dem Buch: „Der Politische Bezirk Mährisch-Trübau“, Heimatkunde für Schule und Haus von Alois Czerny a.d. Jahre 1904. Textinhalte von Bildern können von Suchmaschinen nicht erfasst werden. Eine Beschreibung von Langenlutsch fehlt ganz.

Mit bestem Gruß
Thomas
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Ille07

Foren-Neuling

Beiträge: 1
Anmeldedatum: 26.11.2007
Beitrag . Verfasst am: 29.11.2007, 13:51    
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Hallo Martin,

ich habe mich über die Information über Langenlutsch sehr gefreut, da
meine kürzlich verstorbene Mutter aus diesem Ort war.
Kannst Du mir eine Kontaktadresse besorgen, wo man das Buch kaufen kann. Wäre sehr sehr nett von Dir.

Mit freundlichen Grüßen

Joachim
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Martin

Foren-Profi

Beiträge: 204
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Wohnort: D-76669 Mingolsheim
Beitrag Gedenkbuch der Gemeinde Langenlutsch. Verfasst am: 29.11.2007, 14:44    
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Hallo Joachim,
vielen Dank für das Lob.

Das Buch „Gedenkbuch der Gemeinde Langenlutsch“ (288 Seiten), das 1971 federführend von Franz Etzler herausgegeben wurde, ist leider schon lange vergriffen. Vielleicht weiß der Ortsbetreuer Hr. Schneider Näheres. Bis vor kurzem waren noch zwei Bücher unter www.zvab.de zu finden, die sind mittlerweile wohl verkauft worden. Mein Rat: gelegentlich im Antiquariat unter Autor und Titel danach suchen. Der Preis lag zuletzt um die 19,-€.

Viele Grüße,
Martin

PS: Anmerkung am 01.07.2008: Wie ich dieser Tage erfahren habe, ist das Buch doch noch verfügbar! Sie meinen Beitrag weiter unten.

Zuletzt bearbeitet von Martin am 01.07.2008, 00:36, insgesamt einmal bearbeitet
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Sturma

Moderator

Beiträge: 1229
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Wohnort: Parma, Italien
Beitrag Gedenkbuch Langenlutsch. Verfasst am: 08.12.2007, 11:56    
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Guten Morgen zusammen,

das eine Exemplar bei ZVAB habe ich ich kauft, nachdem das Buch hier im Forum so gelobt wurde. Ich finde es kann nie schaden, wenn man sich auch außerhalb seines Forschungsgebietes "bildet" :). Ich wollte das Buch über Weihnachten lesen. Falls also etwas ganz Konkretes daraus benötigt wird, könnte ich dann die nötigen scans machen und zusenden.
_________________
Herzliche Grüße

Jürgen (Sturma)

Moderator für Hohenstadt, Müglitz und Umgebung
Ortsberichterstatter für Ohrnes und Rippau
www.sturma-online.de
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Martin

Foren-Profi

Beiträge: 204
Anmeldedatum: 12.06.2007
Wohnort: D-76669 Mingolsheim
Beitrag Gedenkbuch von Langenlutsch ist noch erhältlich!. Verfasst am: 01.07.2008, 00:30    
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Hallo Langenlutsch Interessierte,
vor wenigen Tage habe ich erfahren, daß es das Gedenkbuch von Langenlutsch noch erhältlich ist. Man kannst es immer noch sehr günstig zum Selbstkostenpreis von 17,- Euro bei der Kassiererin der Lutscher Gruppe bestellen:
Nähere Infos von mir oder beim Berichterstatter von Langenlutsch.
Die momentan beim ZVAB verlangten 99,-€ !!! sind jedenfalls nicht gerechtfertigt.

Sparen und Preise prüfen lohnt sich! Zuzwinkern
Martin
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Mawo2112

Foren-Neuling

Beiträge: 12
Anmeldedatum: 29.04.2018
Beitrag Aw.: Informationen über Langenlutsch. Verfasst am: 11.04.2020, 15:17    
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Gibt es dieses Buch noch zu Kaufen oder jemanden der sein Exemplar verkaufen möchte?
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