Für den Schönhengst gibt es eine sehr gute Anlaufstelle - das Regionalarchiv in Zámrsk.
Webseite des Regionalarchiv Zámrsk (deutsch)
Ergänzung 2016: Mittlerweile sind sehr viele Matriken online verfügbar
Das Archiv in Zámrsk hat sehr viele Matriken online freigegeben. Dies erfolgt in einer Kooperation mit den Mormonen. Die Momonen stellen die Kirchenbücher/Matriken auf ihrer Seite http://familysearch.org zur Verfügung. Das Archiv stellte die JPG-Fotos von Matriken außerdem zusätzlich als ZIP-Datei zur Verfügung. Die URLs für die ZIP-Dateien finden sich hier Inventarliste der Matriken (PDF 7 MB).
Kleiner historischer Rückblick
Im Mittelalter wurde natürlich auch getauft. Wer heiraten konnte, tat das. Es gab dabei keinen "Formzwang", also kam es nur auf den (meist öffentlichen) Ehekonsens an. Man erklärte vor Zeugen seinen Ehewillen, regelte die finanzellen Dinge (Hofnachfolge, Brautgeld), ging vielleicht zum Notar, um sich diese Sachen beurkunden zu lassen und machte eine Hochzeitsfeier - fertig. Dies war kirchlich akzeptierte Praxis. Wer verstarb wurde schließlich beerdigt.
Für heutige Ahnenforscher gibt es das Problem, dass Taufen und Todesfälle nur selten schriftlich festgehalten wurden. Bei Ehen sind vielleicht Eheverträge vorhanden, die in die jeweiligen Stadtbücher eingetragen wurden. Bei Lehnhöfen mußte der neue Mann (ältester Sohn) dem Lehnsherren den Lehnseid schwören. Auch dies wurde dann (allerdings beim Lehnsherren, z.B. dem Bischof in Olmütz) schriftlich festgehalten.
Mit der Reformation brach eine allgemeine Unruhe aus. Es gab Reformatoren, die nur die Erwachsenentaufe anerkannten, folglich wurden in einigen Gegenden die Kinder nicht mehr getauft. Wer war getauft? In der Praxis kam es häufig zu Kladestinehen (heimliche Ehen).
Als Reaktion auf die Reformation fand das Konzil von Trient [Tridentinum] in der Zeit von 1545 bis 1563 statt.
Und nun wird es für Familienforscher spannend:
Im Dekret "Tametsi" wurde die Formpflicht bei der Eheschließung festgeschrieben. Eheschließungen mußten öffentlich, in der zuständigen Kirche und vor dem zuständigen Ortspfarrer geschlossen werden. Hintergrundinformationen auch zum Tridentinum (PDF 455kB) Die Pfarrer wurden verpflichtet, diese Eheschließungen in den sogenannten Trauungsmatriken (von Matrix) festzuhalten. Die Pfarrer wurden ebenfalls dazu verpflichtet, Taufen (und damit die Geburt) und Sterbefälle zu dokumentieren. Diese Matriken mußten in der Pfarrei aufbewahrt werden. In der Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges wurden manche Matriken Opfer der Flammen. Hier ein guter Artikel zum Thema Matriken.
Und nun stellt sich die Frage: Kann ich an so eine Matrik herankommen? - Klare Anwort: JA.
Anfragen bei den einzelnen Pfarreien sind aber meist erfolglos, da die "alten" Matriken von den Pfarreien an das Regionalarchiv in Zámrsk abgegeben wurden.
Hier ein kleiner persönlicher Leitfaden zur Ermunterung (ich war am Montag und gestern in diesem Archiv)
Öffnungzeit des Archivs:
Mo, Mi: 8.00 - 17.00 Uhr
Di, Do: 8.00 - 15.00 Uhr
Fr - So: geschlossen
Es gibt 24 Leseplätze. Wenn diese Leseplätze besetzt sind, hat man Pech gehabt. Gestern und am Montag waren nur die Hälfte der Plätze besetzt.
Anreise
Das Archiv ist mit dem Auto kaum zu verfehlen. Es liegt ca. 5 km nördlich von Hohenmauth (Vysoké Mýto). Wer von Norden kommt, findet links einen großes Autohaus. In Zámrsk befindet sich das Archiv im ehemaligen Schloss. Der Ort Zámrsk ist klein, das Schloss groß - man findet es.
Parkfläche gibt es reichlich auf dem Hof direkt vor dem Schlosstor.
Einsicht in die Matriken
Einlass wird gewährt, nachdem man die Klingel betätigt. Wird etwas auf tschechisch gefragt, einfach: "Archiv" sagen - und schon öffnet sich die Pforte. Dann überquert man den Innenhof und geht zu einer Art Pforte oder Schalter (wie früher bei der Post). Dort zeigt man seinen Personalausweis oder Pass. Die Wache schreibt die Personalausweisnummer auf und händigt einen Schrankschlüssel aus. Dann wird es spannend. Die Wache erklärt nämlich auf tschechisch den Weg zur Leseraum des Archiv. Ich verstehe kein tschechisch, die Dame kein deutsch oder englisch, also nahm sie mich bei der Hand und geleitete mich freundlich in die erste Etage zum Leseraum. Nun schnell alle mitgebrachten Sachen im Schließfach verstauen (dafür gab es nämlich den Schlüssel). Im Leseraum angekommen, wird die Forscherordung in deutscher Sprache vorgelegt. Diese muss durchgelesen und akzeptiert werden. Anschließend gibt es einen tschechischen Fragebogen. Dort muss das Forschungziel angegeben werden. (Also z.B. ankreuzen PRIVAT und in das Textfeld mit dem Zweck/Forschungstitel reinschreiben "Genealogie der Familie XY"). Und dann wird man gefragt, was man denn gerne hätte. (Ich machte den Fehler, die Geburtsmatriken des Ortes Hermersdorf von 1700 bis 1850 anzufordern. Nun war die Hermersdorfer Pfarrei auch für Ketzelsdorf zuständig. Neben Mährisch Hermersdorf gibt es auch die Matriken des angrenzenden Böhmisch Hermersdorf. Jedenfalls benötige das Archiv eine kleine Sackkarre, um mir die Matriken auszuliefern.) Anmeldung und Auslieferung ging sehr zügig. 20 Minuten nach Aussteigen aus dem Auto hatte ich die Matriken vor mir liegen. Ich bekam die Originale.
Im Leseraum sind weicher Bleistift, Papier und Laptop erlaubt. Eine recht gute Leselampe ist vorhanden. Es gibt auch eine freie Steckdose pro Leseplatz für Laptop.
Tipps zur Forschung
Die heutigen Archivnummern tragen eine Erweiterung in der Notation . Diese Erweiterung gibt Auskunft über die Art der Matrik:
N (Geburt)
O (Trauung)
Z (Sterbematrik)
So enthält "M-24 2338 N" lediglich die Taufmatrik, während "M-24 2338 NOZ" alle drei Matikenarten in einem Band vereinigt.
Manche Matrik enthält hinten ein alphabetisches Namensregister. Wer gezielt nach bestimmten Nachnamen sucht, der kann schneller fündig werden.
Hausnummern wurden wegen der Feuerversicherungen eingeführt. Ab etwa 1771 sind diese Hausnummern auch in Matriken zu finden. Dies erleichtert die Suche erheblich. Dumm nur, dass gut 30 Jahre später diese Hausnummern teilweise umgestellt wurden. So gibt es u.U. alte und neue Hausnummern.
Foto vs. Kopie
Interessant ist, dass Fotos erlaubt sind. Ich fragte nach und erhielt einen weiteren tschechischen Vordruck. Dort muss der eigene Name, Matikennummer und Anzahl der Fotos angegeben werden. Mit etwas Übung kann man mit dem digitalen Fotoapparat recht gute Nahaufnahmen machen. Wer sich gleich ans Fenster setzt, oder die Leselampe einschaltet, bekommt häufig recht ansprechenden Ergebnisse. (Dass der Fotoapparat vorher auf stumm geschaltet wird, versteht sich von selbst.) Kopien sind möglich. Diese Kopien werden vom Archiv gemacht und nach einigen Tagen zugeschickt. Ich vermute, dass die Kopien Abzüge vom vorhandenen Archivfilm sind.
Voraussetzung
Pfleglichste Behandlung der Original-Matriken ist natürlich die absolute Grundvoraussetzung.
Es ist auch wichtig, dass man sich vorher im Lesen alter Handschriften fit macht. Je nach Pfarrer werden Eintragungen latinisiert. Diese Eintragungen sind zwar gut lesbar, doch hier sind einige Lateinkenntnisse und Kenntnisse von Abkürzungen hilfreich. Da Herr Sütterlin erst 1865 geboren wurde, sind die deutschen Handschriften mitunter sehr unterschiedlich. Aber die Kenntnisse wachsen auch durch die Beschäftigung.
Abschied vom Archiv
Wenn man seine Forschung beendet hat - oder wenn der Abend naht - so gibt man die Matriken wieder zurück. Anschließend befreit man seine eingeschlossenen Sachen aus dem Schließfach. Dann gibt man den Schließfachschlüssel bei der Wache zurück und kann dann das Archiv verlassen. Immer schön bedanken. (Die Angestellten waren zu mir sehr freundlich und hilfsbereit.)
Kosten
Die Nutzung des Archivs ist kostenlos. (Wenn das Archiv Kopien anfertigt und zuschickt, so sind diese natürlich kostenpflichtig.)

Blick in den Lesesaal des Archivs Juni 2009
- - - Ergänzung September 2009 - - -
Bestände des Archivs - was kann ich dort finden?
Das Archiv hat eine Inventarliste der eigenen Bestände (PDF 7 MB) veröffentlicht. Dort sind auch die Signaturen der einzelnen Bücher ersichtlich.
Wer vor Ort forschen möchte, kann dann ganz professionell die Signaturnummer nennen oder zeigen. Dann geht es schneller und es gibt keine Missverständnisse.

Die PDF-Datei der Inventarliste wurde im November 2007 erzeugt. Inwiefern diese Liste aktuell und vollständig ist, entzieht sich meiner Kenntnis.
In der PDF-Datei kann man nach den deutschen Ortsnamen suchen - so gelangt man häufig am schnellsten zum Ziel.
In der Inventarliste steht auch, ob das Kirchenbuch einen Index hat (also ein Namensregister hat). Der Index ist also eine alphabetische Aufzählung der Namen mit dem Verweis auf die entsprechende Seite. Also so eine Art Inhaltsverzeichnis. Der Index steht in der Regel am Ende des Kirchenbuches.
In der Inventarliste sind weiterhin aufgeführt: Abmessungen des Buchs in cm, die verwendete Sprache (nemcina=deutsch oder latina=latein) und die Anzahl der Blätter = fol. (fol. von folium [lat.], manchmal werden fol. und Seitenzahl synonym gebracht).
Außerdem wird noch angegeben, auf welchem Film das Kirchenbuch alternativ erhältlich ist.
Beispiel aus der Inventarliste:
sign. M-24 2331A matrika N 1614-1655 film c. 2230
územní rozsah: farnost
16x20,5 cm, vazba: poloplátená, 84 fol., nemcina, poznámka: archivní kulturní
památka c. 126 z 16.6.1998, fol.78-81 desátek, kostelní úcty 1642-1648
M-24 2331A: die Signatur (das A scheint für "archivní kulturní památka" = Kulturdenkmal zu stehen, d.h. diese Matrik erhält man im Normalfall nur als Film)
matrika N: Geburts-/Taufmatrik (im konkreten Fall sind nur die Taufen verzeichnet)
[es gibt keinen Index, andernfalls stünde hier: Index N]
1614-1655: Jahrgänge (im konkreten Fall fehlen Eintragungen wegen des 30-jährigen Krieges und der anschließenden Missstände in der Seelsorge)
film c. 2230: Nummer des Films (der Film beinhaltet aber noch weitere Matriken)
územní rozsah farnost: umfaßt die Pfarrei (die im konkreten Fall aus Hermersdorf und Ketzelsdorf bestand)
16x20,5 cm: Abmessung der Matrik 16 x 20,5 cm
vazba poloplátená: Leineneinband
84 fol.: 84 Blätter = 168 Seiten
nemcina: in deutscher Sprache verfaßt (im konkreten Fall gibt es aber auch viel Latein)
poznámka archivní kulturní památka c. 126 z 16.6.1998: Hinweis Kulturdenkmal Nr. 126 vom 16.6.1998
fol.78-81 desátek: Blätter 78 bis 81 enthalten ein Zehnt-Verzeichnis (der Pfarrer hatte ein neues Verzeichnis aus dem Kopf erstellt und in die Matrik geschrieben - ein Zeichen für die extreme Not, denn die Schweden hatten die entsprechenden Unterlagen im 30-jährigen Krieg zerstört und es gab offensichtlich kein anderes Papier mehr!)
kostelní úcty 1642-1648: Mess-Stiftungen (wer hatte Mess-Stipendien in welcher Intention gestiftet)
Langer Rede, kurzer Sinn:
Es handelt sich um die 168-seitige Taufmatrik von Hermersdorf und Ketzelsdorf aus dem Zeitraum 1614 bis 1655. Allerdings wird man nur den Film Nr. 2230 bekommen, um ihn auf dem Lesegerät als Negativ zu lesen.
Bei der jüngsten Taufmatrik aus Hermersdorf 1889-1922 fand ich folgenden Vermerk:
lze predkládat od r. 2023: Sperrfrist bis 2023