Für viele von uns ist die Familienforschung fast Selbstzweck.
Aber streng genommen ist die Familienforschung (Genealogie) lediglich eine Hilfswissenschaft (historische Hilfswissenschaft).
Andere historische Hilfswissenschaften sind z.B. die Heradik (Wappenkunde), Numismatik (Münzkunde), die Siegelkunde (Sphragistik) oder die Paläografie (Schriftenkunde).
Eine erstklassige und kostengünstige Einführung und einen guten Überblick verschafft das Buch:
Ahasver von Brandt, Werkzeug des Historikers.
Eine Einführung in die Historischen Hilfswissenschaften,
ISBN 3-17-017996-9
Als Quelle der Ahnenforschung kommen in erster Linie die Kirchenbücher (Matriken) in Frage.
Lesen mittelalterliche Handschriften (Paläografie)
Wer sich an mittelalterlichen Quellen (Urkundenbücher der Städte [z.B. Zwittau], Ortsgründungsurkunden [Locationsurkunden] usw.) wagt, steht schnell vor drei Problemen: der lateinische Sprache (das ist mit einigem Aufwand schnell zu meistern) und der Entzifferung der Schrift (häufig sind Urkunden sehr sauber geschrieben). Doch das reicht noch nicht. Das dritte Problem ist häufig ohne Hilfe kaum zu bewältigen: die Abkürzungen.
Für die Entzifferung mittelalterlicher Handschriften als Standardwerk unerläßlich und glücklicherweise im Internet verfügbar:
Adiano Capelli, Lexicon Abbreviaturarum,
Wörterbuch lateinischer und italienischer Abkürzungen
Leipzig 1928.
Hier als Beispiel ein Auschnitt aus der Gründungsurkunde der Stadt Zwittau (1256).
Die ovale Siegelform signalisiert dem Kundigen - ein Bischofsiegel:

Und wir hatten Recht, in der ersten Zeile stellt sich der Verfasse vor:
"BRUNO DEI GRATIA OLOMUCIENSIS EPISCOPUS" (Bruno durch Gottes Gnade Bischof von Olmütz)